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Verdauungstrakt des Pferdes Teil 2

Verdauungstrakt des Pferdes Teil 2

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Verdauungstrakt des Pferdes (Teil 2): Vom Maul zum Magen

Nachdem wir einzelne Fakten zur Verdauung kennengelernt haben, stellt sich die Frage: wie funktioniert jeder einzelne Bereich? Und wie ist das Zusammenspiel der verschiedenen Abschnitte? Schauen wir uns in diesem zweiten Blogpost einmal die einzelnen Stationen eines Grashalms an, wenn ein Pferd ihn mit den Lippen pflückt, und er in den Magen wandert.

 

Das Maul

Der Beginn ist zugleich einer der wichtigsten Schritte bei der Verdauung: das Kauen. Pferde benutzen ihre beweglichen und kräftigen Lippen, um Grashalme und Kräuter zu selektieren und zu sammeln, bevor sie diese mit den vorderen Schneidezähnen abschneiden und ins Maul aufnehmen. Dazu verwenden sie ihren exzellenter Geruchssinn, der um vieles besser ausgebildet ist als ihr Sehsinn.

Die Zunge bewegt das zerkleinerte Grün durchs Maul; dabei werden unerwünschte Bestandteile oder Fremdkörper geschickt aussortiert und der entstehende Nahrungsbrei in der Mundhöhle zunehmend eingespeichelt. Die komplette Pferdezunge wiegt beachtliche 1 bis 2 kg, und ist in etwa genauso lang wie der ganze Schädelknochen. Nebenbei: Die Zunge besitzt das dichteste Nervengeflecht außerhalb des Gehirns.

Pferde sind keine Wiederkäuer, dennoch zerkleinern sie ihre Nahrung mit ähnlichen rhythmischen Kauschlägen wie Kühe beim Wiederkäuen. Der Grund scheint einfach zu sein: „Pferde haben keine zweite Chance, schwer verdauliches noch einmal zu zerkleinern. Daher müssen sie gleich beim Fressen sehr gründlich kauen“, erklärt Marcus Clauss [1]. So kommen pro 1 kg Heu rund 2000 – 4000 Kauschläge zusammen.

Diese rhythmischen und gleichmäßigen Kaubewegungen regen u.a. Ohrspeicheldrüse (lat. Glandulae parotis), Unterkieferspeicheldrüse (lat. Glandulae mandibularis) und Unterzungendrüsen (lat. Glandulae sublinguales), zur Speichelproduktion an, um nur die 3 größten Speicheldrüsen zu nennen. Dabei produziert das Pferd bis zu 40 Liter Speichel pro Tag. Kleine Speicheldrüsen finden sich u. a. in den Lippen, in der Zunge und im weichen Gaumen [4].

Wichtig: anders als bei Hunden oder Menschen genügt nicht der reine Anblick von Nahrung, um die Speichelproduktion anzuregen. Bei Pferden wird der Speichel ausschließlich dann freigesetzt, wenn das Pferd auch tatsächlich kaut.

Und der Speichel ist essenziell, hält er Magen und Darm gesund und funktionsfähig. Allerdings nicht wegen Verdauungsenzymen im Speichel, denn im Gegensatz zu Menschen enthält der Pferdespeichel keine Verdauungsenzyme. Für Pferde hat dies andere Gründe:

Der Speichel enthält Bikarbonat: Dies ist ein einfach deprotoniertes Salz der Kohlensäure mit der Summenformel HCO3-. Bikarbonat-Ionen bilden mit Säuren sogenannte Bikarbonat-Puffer. Im Magen verhindert es so eine Übersäuerung. Wird zu wenig Speichel produziert, z. B. durch zu lange Fresspausen oder aufgrund zu geringer Kauarbeit (z. B. bei Kraftfutter), greift die überschüssige Salzsäure des Magensaftes die empfindliche Magenschleimhaut an. Magenentzündungen, Magengeschwüre sowie eine reduzierte Magen-Darm-Peristaltik sind die Folge.

Des Weiteren enthält der Speichel Schleimstoffe (Muzine), die einerseits ebenfalls die Magenschleimhaut schützen, andererseits den Futterbrei gleitfähig, locker und für die Verdauungsenzyme zugänglicher machen.

Wenn die hinteren Zähne (Prämolaren und Molaren) alles gut zermahlen haben, wird der Nahrungsbrei zu einem Ball geformt, auch Bolus genannt, und an die Speiseröhre abgegeben.

 

Die Speiseröhre (der Schlund)

Durch die 1,25 m bis zu 1,5 m lange Speiseröhre erreicht der Nahrungsbrei (lat. Chymus), den Magen, wobei der Kehldeckel verhindert, dass Teile des Nahrungsbreis in die Atemwege gelangen. „Das Abschlucken erfolgt im 30-Sekunden-Takt. […] Im Normalfall wird nur das abgeschluckt, was nicht länger als 16 Millimeter und im Durchmesser nicht größer als ein bis zwei Millimeter ist.“[2] Die Wand der Speiseröhre enthält glatte Muskulatur, die sich wellenförmig zusammenzieht (propulsive Peristaltik) und den Nahrungsbrei in den Magen hinunterbefördert.

„Unmittelbar vor dem Mageneingang befindet sich eine Erweiterung der Speiseröhre, in der Futterbissen etwa eine halbe Minute verbleiben. […] Von dieser „magenähnlichen Erweiterung aus wird das Futter in den Magen ‚geschleudert‘“, wie Dr. Dorothe Meyer [3] es formuliert.

Spannend ist noch zu wissen, dass die Peristaltik (= wellenförmiges Zusammenziehen) von Speiseröhre, Magen und Darm durch den Parasympathikus gefördert und durch den Sympathikus gehemmt wird. Entspannt sich das Pferd z. B. bei einer Masterson Method® Behandlung, wird der Parasympathikus aktiv und stimuliert auch die Verdauung.

 

Der Magen

Der Pferdemagen, ein L-förmiger Muskelsack, ist das Bindeglied zwischen der Speiseröhre und dem Zwölffingerdarm. Am Eingang des Magens findet sich ein kräftiger Schließmuskel, der sich bei gefülltem Magen anspannt und damit verhindert, dass Nahrungsbrei in die Speiseröhre zurückfließt. Das bedeutet zugleich auch, dass Pferde nicht erbrechen können: alles, was sie geschluckt haben, muss die gesamte Reise durch die Magen-Darm-Passage antreten, falls es nicht zuvor stecken bleibt und Probleme verursacht.

Der Pferdemagen besitzt nur ein Kompartiment. Er wird deshalb auch „einhöhliger Magen“ genannt und liegt zum größten Teil links im Brustbereich der Bauchhöhle, ist also noch von Rippen geschützt. Aufgrund der geschützten Lage des Pferdemagens in der Brusthöhle kann ein Tierarzt den Magen weder von außen noch vom Mastdarm ausgehend ertasten, sondern nur über eine Magensonde erreichen.

Mit einem Volumen von 8 bis 15 Litern ist der Pferdemagen eher klein im Verhältnis zur Größe eines ausgewachsenen Pferdes (nur etwa 10 % des Verdauungstraktes eines Pferdes) und im Vergleich zu anderen Tieren vergleichbarer Körpergröße.

Die Vorfahren unseres heutigen Pferdes konnten 15 bis 18 Stunden grasend über den ganzen Tag verteilt kleine Portionen Nahrung zu sich nehmen, folglich war ein großer Magen auch nicht nötig. Im Englischen werden Pferde deshalb auch als „trickle feeder“ bezeichnet, also als „Tröpfchen -Fresser“.

Der Magen kann in drei Bereiche mit unterschiedlichen Aufgaben untergliedert werden:

Der vorderste Bereich (kuppelförmiger Blindsack) ist drüsenlos; hier sind pflanzliche Enzyme und Bakterien aktiv, die den im Nahrungsbrei enthaltenen Zucker in Lactat umwandeln, sowie leicht verfügbare Kohlenhydrate, Fette und Proteine vorverdauen. Erreicht verkeimtes oder gar gärendes Futter den Blindsack, kann es durch diese bakterielle Vorverdauung „zu Gasbildungen bis hin zu Magenzerreißungen kommen“ [2]

Der mittlere, drüsenhaltige Bereich des Magens ist durch eine gezackte Grenzlinie vom vorderen Teil abgetrennt. An dieser Grenzlinie finden sich oft die ersten Anzeichen von Magengeschwüren.

In diesem zweiten Teil wird dem Futterbrei Magensaft zugemischt, welches bei einem sauren Milieu (pH < 3) für die Zersetzung der mit der Nahrung aufgenommenen Eiweiße (Proteine) verantwortlich ist.

Ist der Speisebrei nach 1 bis 5 Stunden gut zerkleinert und durchmischt am Magenausgang angekommen, wird er durch den „Magenpförtner“ entlassen. Der Magenpförtner ist ein ringförmiger Schließmuskel, der den Magen völlig abdichten kann und dadurch einen Vorwärts- wie einen Rückwärtsfluss des Nahrungsbreis verhindert.

Der Ausgangsbereich ist schleimhaltig und schützt dadurch den Dünndarm vor der Magensäure. Im nicht-sauren Milieu des Zwölffingerdarms verliert Pepsin seine proteolytische Aktivität (= seine Fähigkeit, Eiweiße abzubauen).

 

Zusammenfassung

Wie eingangs erwähnt, sind Pferde als Steppentiere evolutionär darauf ausgelegt, den ganzen Tag rohfaserreiche Steppengräser abzuweiden. Daher produziert der Pferdemagen 24 Stunden lang Magensäure in beachtlicher Menge: 5–10 Liter pro 100 kg Körpergewicht. Die Bildung der Magensaftmenge wird NICHT durch die Futtermenge/-pausen reduziert!

Das vegetative Nervensystem hingegen wirkt auf die Magensaftsekretion: bei Stress erhöht sich die Magensaftproduktion. Landet also keine Nahrung im Magen des Pferdes, wird die Säure nicht abgebaut, sondern greift nach und nach die Magenschleimhaut an und „verätzt“ sie – landläufig formuliert: Stress schlägt dem Pferd tatsächlich schnell und wahrhaftig auf den Magen. Nur ein gut eingespeichelter, durchgekauter Futterbrei kann mithilfe des Magensaftes ausreichend durchsäuert werden und diesen ohne Gärung verlassen, was Voraussetzung für eine gute Verdauung im Darm ist.

 

Wie es mit der Verdauung weitergeht …

…. kannst Du im 3. Artikel zur Verdauung bei gesunden Pferden, „Vom Pförtner zum Anus“ nachlesen.

 

 

Weiterführende Links und Literatur:

[1] https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/pferde-kauen-wie-wiederkaeuer
[2] https://www.mirelan.de/themenbereiche/pferde/anatomie-und-physiologie-des-verdauungssystems
[3] https://dressur-studien.de/physiologie-das-verdauungssystem-des-pferdes
[4] BUDRAS KD, RÖCKE S (1991): Atlas der Anatomie des Pferdes. Hannover: Schlütersche.

http://www.medizinfo.de
https://de.wikipedia.org
https://dressur-studien.de/physiologie-das-verdauungssystem-des-pferdes
https://flexikon.doccheck.com
https://pferdeernaehrung-bund.de/was-fressen-pferde
https://www.msd-animal-health-hub.co.uk/Healthy-Horses/Health/Feeding
https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/pferde-kauen-wie-wiederkaeuer

Verdauungstrakt des Pferdes Teil 3

Verdauungstrakt des Pferdes Teil 3

Verdauung, Verdauungstrakt des Pferdes

Verdauungstrakt des Pferdes (Teil 3): Vom Pförtner zum Äpfeln

Die Verdauung ist im letzten und wichtigsten Abschnitt angekommen. Wie im Teil 2 „Vom Maul zum Magen“ beschrieben, ist der gut eingespeichelte und durchgekaute Futterbrei mithilfe des Magensaftes ausreichend durchsäuert worden. Dieser Futterbrei wartet am Magenausgang, auch „Magenpförtner“ genannt, darauf, vom Magen in den Darm für die eigentliche Verdauung entlassen zu werden.

Der Darm hat zwei große „Abteilungen“ mit unterschiedlichen Aufgaben: Nach dem Magen folgt der Dünndarm, in dem Nährstoffe freigesetzt und aufgenommen werden; auf den Dünndarm folgt der Dickdarm, der aus bisher unverdautem faserreichem Material Energie gewinnt.

 

Der Dünndarm

Der Dünndarm besteht aus 3 Abschnitten – Zwölffingerdarm, Leerdarm, und Hüftdarm– die wir im Folgenden einzeln anschauen werden.

Der Dünndarm hat eine beachtliche Länge von ca. 10–30 m. Die Peristaltik des Dünndarms schiebt den Nahrungsbrei mit ca. 35 cm pro Minute voran, weitgehend unabhängig von der Art des aufgenommenen Futters.

Der Zwölffingerdarm

Der erste Abschnitt des Dünndarms ist der 1 m lange Zwölffingerdarm, in dem Gallensaft aus der Leber mit Verdauungsenzymen aus der Bauchspeicheldrüse und dem Dünndarm selbst vermischt wird. Gallensaft ist ein alkalisches (pH > 7) Gemisch bestehend aus Gallensäuren, Cholesterin und Lecithin. Die Aufgabe des Gallensaftes ist es, die Nahrung zu emulgieren (= Vermischen zweier nicht mischbarer Komponenten), Giftstoffe zu binden und zu entfernen sowie Glucose-Fette in freie Fettsäuren aufzuspalten. Das Gallensaft-Verdauungsenzym-Gemisch zerlegt noch nicht zersetzte Eiweiße in Aminosäuren und Kohlenhydrate (Stärke, Mehrfachzucker) in Glucose (Einfachzucker). Aminosäuren und Glucose werden durch die Dünndarmwand in den Blutstrom aufgenommen (= absorbiert) und stehen als Energiequelle zur Verfügung. Nicht verwendete Glucose wird in Form von Glykogen in Leber und Muskulatur gespeichert.

Beachte: Das Pferd besitzt keine Gallenblase, dennoch produziert es täglich etwa 6 Liter Gallensaft, und zwar in seiner Leber.

Der Leerdarm

Den zweiten Teil des Dünndarms haben Pathologen Leerdarm genannt, weil dieser Darmteil postmortal (= nach dem Tod) meist leer ist. Ein weiterer Name ist „Knurrdarm“, denn das sog. „Magenknurren“ entsteht gar nicht im Magen, sondern durch Luftgeräusche im Leerdarm.

Alle Haussäugetiere besitzen ein in Schlingen angelegtes Jejunum, wenn auch unterschiedlich ausgeprägt. Zwar besitzen die Schlingen des Leerdarms eine erstaunliche Beweglichkeit und verändern dadurch immer wieder ihre konkrete Position, dennoch findet sich der Großteil der Schlingen im linken dorsalen Bereich des Bauchraums. Mit etwa 19 m ist es der längste Bereich des Dünndarms. Wie im Zwölffingerdarm wird der Nahrungsbrei chemisch weiter zersetzt und die gewonnenen Nährstoffe in den Blutkreislauf aufgenommen.

Der Hüftdarm

Der Hüftdarm, auch Krummdarm genannt, ist der letzte und kürzeste Teil des Dünndarms, in dem die Absorption von Nährstoffen fortgesetzt wird: in erschlafftem Zustand besitzt er eine Länge von etwa 70 cm, bei Kontraktion der ausgeprägten Ringmuskulatur nur noch ca. 20 cm. Auch der Innendurchmesser ist klein, somit ist das Ileum eine echte Engstelle für die nur teilweise verdaute Nahrung. Es verläuft „von links-ventral nach rechts-dorsal und mündet durch eine Öffnung in der Wand in die kleine Kurvatur des Blinddarmkopfes“. Nachdem der Speisebrei ca. 30 min im Ileum verweilt hat, wird er in den Dickdarm abgegeben. Mittlerweile enthält er nur noch Ballaststoffe und Wasser.

Kurz zusammengefasst: Der Dünndarm ist der Teil des Verdauungstraktes, in dem die meisten Nährstoffe, u. a. Proteine, einfache Kohlenhydrate, Fette, Mineralstoffe (z. B. Kalzium, Phosphor) und lebenswichtige Vitamine (z. B. Vitamine A, B, D, E und K) gewonnen und durch die Dünndarmwand in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Rohfaser wie Zellulose kann im Dünndarm nicht abgebaut werden, sondern wandert als Ballaststoff weiter in den Dickdarm.

 

Der Dickdarm

Der Dickdarm ist etwa 8 m lang und hält ein Volumen von knappen 130 Litern. Er ist Sauerstoff-frei und gliedert sich ebenfalls in 3 Bereiche: den Blinddarm, den Grimmdarm und den Mastdarm. Im Gegensatz zu Wiederkäuern, die Rohfasern (siehe unten) durch Wiederkäuen „prä-gastrisch“ (also „vor dem eigentlichen Magen“) durch Fermentation aufschließen, sind Pferde „post-gastrische Fermentierer“: schwer verdauliche Zellulose und Hemicellulose werden im Dickdarm über zwei bis drei Tage mikrobiell fermentiert, also durch Milliarden von Mikroorganismen (Bakterien und Protozoen) abgebaut. Die dabei u. a. entstehenden flüchtigen, hochverdaulichen Fettsäuren (Essig-, Milch- und Propionsäure) werden in den Blutkreislauf aufgenommen und liefern bis zu 70 % der Energie einer Futterration.

Der Blinddarm

Aber zurück zum Anfang des Dickdarms. Dort befindet sich der Blinddarm, der durch die ‚Hüftdarm-Blinddarm-Falte‘ mit dem Hüftdarm verbunden ist. Von der Seite betrachtet ist der Blinddarm ein kommaförmiger, spitz-zulaufender Sack von ca. 1 m Länge und einem durchschnittlichen Fassungsvermögen von rund 30 Litern; das Fassungsvermögen kann bis zu 68 Liter erreichen. Charakteristisch sind die aus Längsmuskulatur bestehenden Bandstreifen. Der Blinddarm zieht sich von der rechten Flanke bis hin zum Brustbein des Pferdes. In sich ist der Blinddarm wiederum drei-gegliedert in Kopf, Körper und Spitze.

Mithilfe körpereigener Mikroorganismen (unterschiedliche Arten von Bakterien und Protozoen) werden in 15–24 Stunden bisher „unverdauliche“ Nahrungsbestandteile, die Rohfasern, aufgeschlossen und verdaut. Rohfaserhaltige Futtermittel sind hauptsächlich Gras, Laub, Heu, Stroh, Rüben, Kleie und Silage. Die verdaulichen Bestandteile von Rohfasern sind:

a) Zellulose: Dies ist der Hauptbestandteil pflanzlicher Zellwände mit einem Massenanteil von rund 50 %; chemisch ist es der am häufigsten vorkommende Vielfachzucker (Polysaccharid).

b) Hemicellulose: Dies ist ein Sammelbegriff für Gemische von Vielfachzuckern. Hemicellulose ist ebenfalls Bestandteil pflanzlicher Zellwände und bildet einen Teil der Stütz- und Gerüstsubstanz von Zellwänden; sie macht etwa 25 – 33 % der Pflanzenmasse aus.

c) Pektin: ist ebenfalls ein pflanzliches Polysaccharid (Vielfachzucker), besteht aber aus anderen Basiseinheiten als Cellulose.

Die spezifische Zusammensetzung der körpereigenen Mikroorganismen im Blinddarm stellt sich mit der Art des Futters ein, das ein Pferd für gewöhnlich erhält.

Der Grimmdarm

Dem Blinddarm folgt der Grimmdarm (lat. Colon), eine weitere Gärkammer. Der größere Teil des Grimmdarms, das Colon ascendens, ist ca. 3–4 m lang und besitzt ein Fassungsvermögen von etwa 80 -100 Litern; aufgrund dieser massiven Größe wird der große Grimmdarm auch Colon crassum genannt. Um trotz der Größe Platz in der Bauchhöhle zu finden, ist das Colon ascendens in zwei hufeisenförmigen Schleifen übereinandergelegt. Im großen Colon finden sich nur mehr Bakterien. Diese lösen aus den unverdauten Resten Vitamin K und B-Vitamine (z. B. das hufhornbildende Biotin) heraus und bilden Vitamin C; dadurch ist das Pferd weitgehend unabhängig von externer Vitaminzufuhr über das Futter.

Nachdem das Colon ascendens gegen Ende hin noch eine magenähnliche Erweiterung bildet, geht es via dem quer verlaufenden Colon (lat. Colon transversum) über in den kleinen Grimmdarm, Colon descendens, wobei „klein“ immerhin ca. 3 m Länge bedeuten. Hier werden weitere zuvor unverdauliche Futterbestandteile mikrobiell aufgeschlossen und Nährstoffe durch die Darmwand absorbiert. Außerdem wird durch Wasserentzug das verbliebene Nahrungsreste eingedickt. Mit dem Wasser können auch größtenteils die zusammen mit den Verdauungssekreten abgegebenen Elektrolyte und Mineralstoffe resorbiert werden.

Wie der Blinddarm besitzt das kleine Colon charakteristische kräftige Bandstreifen (lat. Taenien) und Falten (lat. Poschen). In diesen Falten beginnt die Kotformung des eingedickten verbliebenen Nahrungsrestes.

Der Mastdarm

Nach 18–20 Stunden erreichen die Nahrungsreste schließlich den Mastdarm, dem 20–30 cm kurzen Ende (darum auch Enddarm genannt) des Dickdarms. Im Mastdarm bleiben die nicht verwertbaren Nahrungsreste etwa 1–2 Stunden und werden durch die Darmmotorik in die uns vertrauten Pferdeäpfel geformt, die dann durch den Anus – einem weiteren Sphinktermuskel – ausgeschieden werden. Im Durchschnitt äpfelt ein gesundes Pferd 8–10 Mal am Tag und scheidet in etwa 2 % seines Körpergewichtes als glänzenden, nicht unangenehm riechenden Kot aus.

 

Das Wichtigste zur Verdauung im Überblick

Von der Nahrungsaufnahme bis zur Ausscheidung benötigt eine Futterration in etwa 3,5. Tage. Das Allerwichtigste:  Pferde sollten möglichst oft nur kleine Portionen fressen, die sie KAUEN, KAUEN und nochmals KAUEN müssen, um ausreichend Speichel für eine gute Verdauung zu produzieren.

Mit Deinem jetzigen Wissen kannst Du die Fütterung Deines Pferdes überprüfen:

  1. Es sollte keine Fresspausen von mehr als max. 4 Stunden geben: Am besten sollte Futter ad libitum, also rund um die Uhr, zur freien Verfügung vorhanden sein. Damit Dein Pferd in kleinen Portionen knabbern kann, verwende z. B. Heunetze.
  2. Füttere überwiegend rohfaserreiches Material:Rohfaserreiches Futter sind Gras und Heu. Idealerweise wird nach der Blüte geerntet und das Heu gut abgelagert. Abhängig von Rasse, Arbeitspensum und Saison benötigt ein Pferd durchschnittlich zwischen 1,5 und 2,5 kg Heu/Raufutter pro 100 kg Körpergewicht.
  3. Erinnere Dich: rohfaserreiches Futter ist zugleich schwer verdauliches und energiearmes Futter

Sei daher zurückhaltend mit Zusatzfutter

  1. Äpfel, Bananen und Birnen sind zwar beliebte Leckerlies bei Pferden, können aber im Magen oder Darm nachgären und Koliken verursachen.
  2. Kraftfutter enthält nur wenig Rohfaser, ist schnell verdaulich und sehr energiereich. Daher kann zu viel Kraftfutter dem Pferd auf lange Sicht schaden.
  3. Je nach Bedarf kannst Du Deinem Pferd mit Kräutern und Vitalpilzen helfen, z. B. um den Darm zu unterstützen und damit das Immunsystem zu stärken oder auch im Fellwechsel.
  4. Halte folgende Nahrungsmittel von Deinem Pferd fern: Nachtschattengewächse wie Kartoffel, Tomaten, Paprika. Vor allem Stängel und Blätter sind giftig.
  5. Erwachsene Pferde können Milchzucker (Laktose) nicht verarbeiten – damit kamen Wildpferde in freie Wildbahn auch nicht in Berührung. Darum keine Milchprodukte füttern.
  6. Zuckerhaltige Leckerlies wie Schokolade, Eis, etc. bringen die Verdauung durcheinander.
  7. Kohlgemüse bläht sehr, bei einem Fermentierer mit vielen Windungen und Engstellen im Verdauungssystem ist das besonders unvorteilhaft.

Wow, geschafft. Ganz schön viel Wissen, das Du Dir angeeignet hast. Respekt! Jetzt wirst Du leichter nachvollziehen können, wie Verdauungsstörungen entstehen – und damit befasst sich der nächste Blogpost.

 

Weiterführende Links:

https://flexikon.doccheck.com/de/Ileum_(Pferd)
http://www.tierwissen.de/artikel/pferde/verdauung-magen-darm-beim-pferd.shtml
https://de.wikipedia.org
https://flexikon.doccheck.com
https://herzenspferd.de/pferdefuetterung
https://practicalhorsemanmag.com/health-archive/architecture-of-the-equine-digestive-system-11756
https://www.chemie.de/lexikon
https://www.dr-susanne-weyrauch.de
https://www.netdoktor.de
https://www.pferdchen.org/Pferde/Anatomie/Verdauungsorgane.html
https://www.pferdefluesterei.de/verdauung-pferd
https://www.tierarztpraxis-zuck-ehrenfels.de

Bewegungsamnesie

Bewegungsamnesie

Das Verlernen des vollen Bewegungsumfangs

Jeder kennt den Begriff Amnesie: Gedächtnisverlust. Aber Bewegungsamnesie – kann ein Pferd wirklich „vergessen“, wie man eine Bewegung ausführt? Wie weit man den Hals zur Seite oder den Fuß – Huf – nach vorne bewegen kann?

Können Muskeln vergessen?

Jede einzelne Muskelzelle kann sich an früheres Wachstum „erinnern“ und sich folglich nach Bewegungspausen entsprechend wieder aufbauen (1), Bewegungsabläufe und Range of Motion (ROM) können Muskeln sich nicht merken – folglich diese auch nicht vergessen. Bewegungsabläufe und ROM sind im Gehirn gespeichert. Werden diese Gedächtnisinhalte lange nicht genutzt – eventuell aufgrund von Verletzung oder aufgrund von Schmerz und Anspannung mit kompensierenden Bewegungen  – kann das Gehirn Inhalte als irrelevant „vergessen“ oder mit neuen, gegebenenfalls falschen Inhalten füllen.

Wie entsteht Bewegung?

Jede gewollte Bewegung beginnt in der Gehirnrinde. Die „Vorstellung“ einer Bewegung wird kombiniert mit Informationen über den Ist-Zustand des Körpers und verglichen mit dem Soll-Zustand, angereichert mit Informationen über das Wie des Bewegungsablaufs. Wenn alle Informationen zusammengetragen und verarbeitet sind, werden über Hirnstamm und Rückenmark Nervenimpulse zu den verschiedenen Muskelgruppen für die reale Ausführung gesendet. In jedem Moment der Bewegungsausführung werden Informationen zur Stellung und Position der Beine, des Kopfes, Stellung der Gelenke, und Lage des Rumpfes, Anspannung der Muskeln, und Druck der Muskeln auf das umliegende Gewebe zurück ans Gehirn gesendet.

Wie entsteht eine Bewegungsamnesie?

Eine häufige Ursache für die Entstehung von Bewegungsamnesie, oder auch Sensomotorische Amnesie genannt, ist der natürliche Reflex bei Schmerzen und Verletzungen eine Schonhaltung einzunehmen. Durch das dauerhafte Anspannen des schmerzenden Muskels verblasst die Gedächtnisspur im Gehirn für den normalen Ist-Wert des Muskels im entspannten Zustand. Das Gehirn „vergisst“ also, wie es den Muskel entspannen kann, weil es jetzt den angespannten Zustand als Normalzustand abspeichert.

Gleiches gilt für Bewegungs- und Verhaltensmuster, die zur Schmerzreduktion/-vermeidung über längere Zeit aufrechterhalten werden: Das Gehirn speichert die neuen, schmerzbedingt veränderten Bewegungsmuster ab und ersetzt damit die ursprünglichen, natürlichen Bewegungsmusters.

Wie überwindet man Bewegungsamnesie?

Der Tierarzt gibt grünes Licht: Alles verheilt und gesund. Physiotherapeuten, Ostheopathen und andere Experten haben Gelenke gelockert, Energien zum Fließen gebracht – und doch treten schon nach kurzer Zeit die alten Probleme auf.

Der Grund ist einfach: Es wird direkt am Muskel gearbeitet. Wie oben beschrieben, ist aber der Muskel nicht selbst für seinen Spannungs- bzw. Entspannungszustand verantwortlich. Für den Moment ist der Muskel selber gelockert, aber das Gehirn hat immer noch den falschen, schmerzbedingten Ist-Wert abgespeichert und wird den Muskel alsbald wieder in den angespannten Zustand zurückführen.

Darum ist bei einer Bewegungsamnesie begleitend zur manuellen und energetischen Therapie auch ein aktiver und begleitender Lernprozess nötigt (siehe Psychosomatik). Dabei werden alte Gedächtnisspuren reaktiviert und gestärkt, das Pferd spürt einen größeren Range of Motion und es gewinnt die aktive Kontrolle über seine Muskulatur zurück und einen größeren Bewegungsspielraum zurück.

Fazit

Wenn also Ihr Pferd Bewegungseinschränkungen zeigt, und keine Diagnose oder Therapie hilft, fragen Sie einen Therapeuten, der/die Erfahrung in der Behandlung von Bewegungsamnesie hat. Ihr Pferd ist weder störrisch noch dumm noch hoffnungslos krank – das Gehirn muss nur wieder die ursprünglichen Soll-Werte für seinen natürlichen Bewegungsspielraum und zur Muskelentspannung lernen und abspeichern. Dazu ist es nötig, mit dem Pferd zusammenzuarbeiten: Es muss seine Aufmerksamkeit auf spezielle Bereiche seines Körpers richten, und mithilfe von sensomotorischem Feedback bei langsamen, angeleiteten Bewegungen selbst die Anspannung in den Muskeln lösen und alle feinen Abstufungen einer Bewegung ausführen.

Literatur

Seaborne et al. 2018. Human Skeletal Muscle Possesses an Epigenetic Memory of Hypertrophy, Scientific Report 8:1898 8 | DOI:10.1038/s41598-018-20287-3

Schmidt et al. 2019. Neuroanatomy of the equine brain as revealed by high-field (3Tesla) magnetic- resonance-imaging. PLoS ONE 14(4): e0213814 | https://doi.org/10.1371/journal.pone.0213814

Siehe auch Equine Hanna Somatics®

Blutegeltherapie

Blutegeltherapie

Cranio Sacrale System im Flow

Was ist die Blutegeltherapie?

Die Blutegeltherapie ist ein spezielles Ausleitungsverfahren mithilfe von Blutegeln. Entscheidend für die therapeutische Bedeutung ist die einzigartige Wirkung des Blutegel-Speichelsekrets. Der Blutegelspeichel ist quasi einen kleine, lebende Apotheke mit einem einzigartigen Mix an verschiedenen Wirkstoffen, die als Einzelwirkstoffe in Medikamenten regelmäßig eingesetzt werden. Der Speichel des medizinischen Blutegel enthält vermutlich 100 bioaktive Wirkstoffe, von denen Wissenschaftler bisher gerade einmal ca. 25 bestimmen haben.

Bereits vor 3000 Jahren wurde im alten Ägypten der medizinische Blutegel eingesetzt. Heute erlebt die Blutegeltherapie eine regelrechte Wiedergeburt und wird inzwischen als ergänzende Behandlungsmethode in der Humanmedizin und Veterinärmedizin eingesetzt.

 

Bei welchen Krankheiten kann eine Blutegeltherapie für Pferde hilfreich sein?

U.a. regt der Blutegelspeichel den Lymphstrom wie auch den venöse Abfluss an. Dabei wird zugleich eine sofortige Schmerzlinderung/-stillung erreicht. Sinnvoll kann eine Blutegeltherapie sein im Falle von:

  • allg. bei Entzündungen (Arthrose, Spat, Schale, Kissing Spines und Hufrollenproblemen, Arthritis
  • Erkrankungen der unteren Extremitäten (z.B. Hufrehe)
  • Erkrankungen/Verletzungen des Bänder- und Sehnenapparates
  • Muskelproblemen (z.B. Muskelschmerzen, Muskelverhärtungen)
  • Abszessen
  • Prellungen
  • Gelenkgallen
  • u.a.m.

 

Was ist vor einer Blutegelbehandlung zu beachten?

Blutegel sind echte Sensibelchen. Sie reagieren empfindlich auf verschiedene Düfte & Gerüche, auf Temperatur, Stresslevel des Pferdes, Wetter, usw.

Daher ist es wichtig, dass der Patient entspannt in einem ruhigen Bereich steht, ggf. liebevoll abgelenkt wird.  Mindestens 3 Tage vorher sollte folgende Dinge abgesetzt und nicht mehr verwendet werden:

  • Medikamente (in Absprache mit dem Tierarzt!)
  • Knoblauch
  • Ingwer
  • Shampoo
  • Salben
  • Desinfektionsmittel
  • Insektenschutz

 

Was spricht gegen eine Blutegeltherapie?

Die Blutegeltherapie darf NICHT angewendet, werden wenn das Pferd

  • blutverdünnende Medikamente bekommt
  • an Anämie leidet
  • einen labilen Allgemeinzustand hat, oder
  • für den Schlachtbetrieb bestimmt ist.

 

Das Seminar zur Blutegeltherapie habe ich am Tier-Therapie-Zentrum gemacht. Wissen zur Biologie und Medizin des Blutegels stammen aus meiner Zeit in der Grundlagenforschung und neueren wissenschaftlichen Publikationen.

Dorntherapie für Pferde

Dorntherapie für Pferde

Dornmethode für Pferde

„Verkompliziert die Dornmethode nicht, sie ist ganz einfach! Sie basiert darauf, das Skelett wieder in eine optimale Statik zu bringen, dann werden sich alle Strukturen drum herum auch in Statik bringen, denn sie sind alle am Skelett befestigt!“ (Dieter Dorn)

 

Wer hat die Dorntherapie entwickelt?

Den Namen hat die Methode von Dieter Dorn (1938 – 2011), einem Sägewerkbesitzer und Landwirt im Allgäu. 1973 ließ er sich vom Bauern Josef Müller aus dem Nachbarort wegen eines Hexenschusses „behandeln“. Obwohl Josef Müller keine medizinische Ausbildung hatte, verschwanden die Rückschmerzen schnell. Erstaunt und neugierig begann Dieter Dorn nachzuforschen und seine eigene Methode zu entwickeln.

Erste Erfahrungen mit praktischen Anwendungen sammelte er bei der Behandlung seiner Frau, die schon lange unter Kopfschmerzen litt. Weiter ging es bei seiner Nachbarin, die stark schmerzende Beine hatte. Die Ursachen für die Beschwerden fand er immer in Wirbelsäulenverschiebungen oder fehl-positionierten Wirbeln – wie bei seinem Hexenschuss auch.

 

Wie funktioniert die Dornmethode?

Darin sind Mensch und Landwirbeltiere, die ein Knochenskelett haben, gleich: Bei einem Beckenschiefstand wird der Wirbelsäulenverlauf verändert und führt zu einer Beinlängendifferenz. Werden Becken, Wirbel und Gelenke in ihre korrekte Position zurückgeführt, verschwinden die Schmerzen. Sind die Rückenwirbel korrekt ausgerichtet, haben auch die zwischen jeweils 2 Wirbeln austretenden Spinalnerven wieder maximal Platz und können ihre Organe vollumfänglich versorgen.

 

Was macht die Dorntherapie so besonders?

Die Dornmethode ist die einzige manuelle Therapie, welche die Beinlängendifferenz berücksichtigt.

Sie ist weitgehend schmerzfrei. Natürlich ist das Wirbeleinrichten manchmal unangenehm, bleibt dennoch immer unter der Schmerzschwelle des Pferdes.

Diese sanfte Methode verwendet zum Einrichten von Wirbeln und Korrigieren von Gelenken keine schnellen, abrupten Bewegungen oder Hebelwirkungen. Daher werden Bänder und Sehnen nicht strapaziert, sondern sind so weit als möglich entspannt.

Mit gezieltem, langsam gesteigerten Druck auf Skelettstrukturen bei lockerer Eigenbewegung des Pferdes wird auf sanfte Weise dennoch ein größtmöglichen positiver Effekt auf den Gesamtorganismus (Bewegungsapparates, Organe und Psyche) erzielt!

 

Wie sieht eine Behandlung aus? Und wie lange dauert sie?

Am Beginn steht ein Gespräch mit dem Besitzer über einen typischen Tagesablauf des Pferdes, die aktuelle Haltung, das Fütterungsregime, Vorerkrankungen; und natürlich über den Grund, dass ich eingeladen wurde zu kommen.

Dann schaue ich mir den Gesamtzustand des Pferdes an: im Stand, im Gang und mittels Tastbefund.

Erst dann gehe ich zur eigentlichen Behandlung über: Es werden immer alle (!) Gelenke von hinten nach vorne und die Beine von oben nach unten durchgearbeitet. Also beginnend mit dem Becken werden zuerst die Gelenke der Hinterhand (Hüfte, Knie, Sprung- und Fesselgelenk incl. Zehenzug); dann geht es weiter mit der Vorderhand (Schulter-, Ellbogen-, Karpalgelenk-, Fesselgelenk incl. Zehenzug) bis hin zum Genick. Wichtig sind natürlich auch Kiefergelenk und Zungenbein. Und letztlich geht es Wirbel für Wirbel (incl. Sternum und 1. Rippe) entlang der Hals- und Rückenwirbelsäule bis zum letzten Lendenwirbel.

Um die Schutzspannung der Muskulatur zu reduzieren, pendeln Menschen bei der Behandlung ihre Arme und Beine entspannt und locker. Das machen Pferde  diese aktive Bewegung leider nicht von selbst. Daher bitte ich den Besitzer oder einen Helfer, ein Bein passiv, aber entspannt und locker zu pendeln.

Je nach Befund, Kooperation des Pferdes (Ist es nervös? … ängstlich? …. gelassen?) und Fragen des Besitzers dauert die erste Behandlung 90 – 120 Minuten, Folgebehandlungen um die 60 Minuten.

 

Wie viele Behandlungen sind nötig?

Schon die Erstbehandlung erzielt oft beeindruckende Ergebnisse. Dennoch ist auf jeden Fall eine Folgebehandlung nach 10 -14 Tagen nötig. Die Notwendigkeit weiterer Behandlungen danach hängt dann von verschiedenen Faktoren ab. Z.B. von der Schwere des Befundes, wie lange der Schiefstand schon lange besteht, von den Aufgaben des Pferdes, usw. Als Richtlinie empfiehlt sich bei

a) Freizeitpferden: 1 – 2 pro Jahr routinemäßig alles wieder „geradezurücken“. Dies dient vor allem dem Wohlbefinden und der möglichst langen Gesunderhaltung des Pferdes

b) Sportpferden: regelmäßige Dorn-Behandlung. Je nach Sportart kann wöchentliche Behandlung nötig sein. Für Athleten sind diese Behandlungen besonders förderlich, denn wenn das Skelett stabil und korrekt ausbalancierten ist, die Gelenke frei beweglich sind kann das Pferd sein wahres Können zeigen.

c) Jungpferden in der Ausbildung: regelmäßige Dorn-Behandlung parallel zum Training und zur Ausbildung. Dies hilft der Steigerung von Kraft und Ausdauer sowie der Gesunderhaltung des Pferdes. Und verhindert dadurch Leistungsschwächen, strukturelle Ermüdungserscheinungen und Verweigerung.

 

Wann sollte die Dornmethode angewendet werden?

Gerade bei Sportpferden und Jungpferden als Mobilisiationstraining und Prophylaxe

Ansonsten z.B bei:

  • Auffälligen Körperhaltungen wie Schweifklemmen
  • Bewegungseinschränkungen
  • Geburten
  • Häufigem Stolpern
  • Kurztrittigkeit
  • Muskelverspannungen
  • Rittigkeitsproblemen
  • Rückenempfindlichkeiten
  • Schonhaltungen
  • Sprungverweigerung
  • Tacktunreinheiten
  • Verwerfen
  • Widersetzlichkeit
  • Wiederherstellung nach OPs / verheilten Verletzungen
  • …..

 

Gibt es Kontraidikationen?

  • Entzündungen
  • Fieber
  • Verdacht auf Frakturen
  • Bandscheibenvorfälle
  • Trächtigkeit

=> Unbedingt zuerst den Tierarzt konsultieren!

Die Dornmethode für Pferde durfte in bei Simone Quaeck in der Akademie für Dornmethode und Tierheilkunde erlernen.

Dornmethode für Pferde

10 Fakten zur Verdauung gesunder Pferde, die ein Pferdebesitzer wissen sollte (Verdauungstrakt Teil 1)

10 Fakten zur Verdauung gesunder Pferde, die ein Pferdebesitzer wissen sollte (Verdauungstrakt Teil 1)

Verdauung
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10 Fakten zur Verdauung gesunder Pferde (Verdauung Teil 1)

Hand aufs Herz, was weißt Du über das Verdauungssystem Deines Pferdes? Z. B. wie viele Liter Speichel Dein Pferd pro Tag produziert? Warum Pferde sich (fast) nicht erbrechen können? Nicht sicher? Macht nichts. Im Folgenden schauen wir uns genau an, wie das Verdauungssystem gesunder Pferde aufgebaut ist und funktioniert.

Das Verdauungssystem von Pferden ist eine komplizierte Fabrik, die darauf ausgelegt ist, bis zu 18 Stunden am Tag immer nur kleine Mengen an Nahrung zu verarbeiten und dabei die Nahrung in Energie umzuwandeln. Kurz umrissen:

Anatomisch ist das Verdauungssystem eine lange Röhre, die an den Lippen beginnt und am Anus endet. Ihre Aufgabe ist es, aus der Nahrung Energie und Stoffe zu gewinnen, damit der Pferdekörper funktioniert. Der Verdauungstrakt besitzt eine Gesamtlänge von etwa 33 m und ist damit ca. 14 Mal so lang wie das Pferd selbst. Um in den Pferdekörper (ca. 2,4 m) zu passen, wird er in Schlaufen gelegt und nur locker an Ort und Stelle gehalten. Schlaufen bedeuten mehrfache Richtungswechsel und variierende Durchmesser, was teilweise die Anfälligkeit der Pferdeverdauung für Verstopfungen und Koliken erklärt.

Physikalisch-chemisch beginnt die Verdauung im Maul des Pferdes beim Weiden. Dort nimmt es Gräser und Kräuter auf, zermahlt diese mit den Zähnen und speichelt sie sehr gut ein. Der Nahrungsbrei gelangt durch die Speiseröhre in den Magen, wird in spezialisierten Bereichen durch Verdauungssäfte unter Luftabschluss im Darm allmählich fermentiert und in die fünf Grundnährstoffe – Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Wasser sowie Vitamine und Mineralien – zerlegt. Durch die Darmwand werden die entstehenden Nährstoffe in den Blutkreislauf aufgenommen (= absorbiert), bevor verbleibende Abfallstoffe am anderen Ende als Pferdeäpfel wieder ausgeschieden werden und auf dem Misthaufen landen.

 

Übersicht Verdauung

  1. Der ganze Verdauungsprozess – von Futteraufnahme bis zum Äpfeln – dauert rund 3,5 Tage.
  2. Pferde produzieren nur dann Speichel, wenn sie auch tatsächlich kauen. Bei ausreichend Futter können das bis zu 40–50 Liter Speichel pro Tag sein.
  3. Der Magen produziert kontinuierlich Magensäure, unabhängig davon, wie oft oder wie viel Futter ein Pferd frisst. Darum ist eine wichtige Funktion des Speichels, die Magensäuren zu neutralisieren und damit das Risiko von Magengeschwüren zu minimieren.
  4. Pferde können sich (fast) nicht erbrechen: um das untere Ende der Speiseröhre zieht sich ein Muskelband, das als Einwegventil fungiert. Die Nahrung gelangt ungehindert in den Magen. Die Klappe des Muskelbandes drückt die Öffnung jedoch nach unten und schneidet den Durchgang nach oben ab, sobald sich der Magen ausdehnt. Außerdem trifft die Speiseröhre in einem Winkel auf den Magen, der die Absperrfunktion verstärkt.
  5. Der Magen des Pferdes ist für die Größe des Tieres und des Verdauungssystems klein und fasst durchschnittlich nur etwa 12 bis 14 Liter. Je nach Futterzusammensetzung bleibt das Futter eine bis fünf Stunde/n im Pferdemagen.
  6. Der Großteil der Verdauung findet im Dünndarm des Pferdes statt. Dasselbe gilt für die Aufnahme von Zucker, Stärke, Proteinen und Fetten.
  7. Pferde haben keine Gallenblase. Sie bilden die zur Verdauung benötigten Gallensäfte in der Leber.
  8. Ein Pferd trinkt im Durchschnitt 30 bis 50 Liter am Tag, wobei ein Pferd auf einer saftigen Weide bis zu 60 Prozent der Flüssigkeitsmenge aus dem Gras entnehmen kann. Die Trinkmenge ist u. a. abhängig vom Futter, den Außentemperaturen, der Arbeitsleistung und natürlich der Körpergröße: Ein Shetty schafft nicht so viel wie ein Shirehorse.
  9. Der Blinddarm der Pferde ist ca. 1 Meter lang und besitzt circa 30 Liter Fassungsvermögen. Darin wird durch Bakterien und Mikroben die zellulosehaltige Pflanzennahrung aufgebrochen, die sonst nicht verdaut werden könnte. Diesen Prozess nennt man Fermentation.
  10. Die konkrete Zusammensetzung der Darmflora des Pferdes variiert je nach der Futterzusammensetzung und ist damit spezifisch ausgelegt für die Fermentierung der Nahrung, die das Pferd normalerweise frisst. Wird plötzlich neues Futter bereitgestellt, können die aktuellen Bakterien- und Mikrobenpopulationen dieses nicht mehr effektiv fermentieren und es kann zu Koliken kommen. Darum sollten Futteränderungen langsam eingeführt werden.

Wer mehr wissen will, kann in Teil 2 „Vom Maul zum Pförtner“ und Teil 3 „Vom Pförtner zum Anus“ den kompletten Weg der Nahrung vom Grasen auf der Weide bis zum Ausscheiden wohlgeformter Pferdeäpfel verfolgen.

 

Übersicht: Der Magen-Darm-Trakt in Zahlen (Durchschnittswerte)